Gutenberg und Zuckerberg

Soziale Netzwerke sind keine Erfindung der Gegenwart, erklärt der Harvard-Historiker Niall Ferguson.

In seinem Buch „Türme und Plätze – Die verborgene Geschichte der Netzwerke“ untersucht er die sozialen Netzwerke von der Antike bis zur Gegenwart. Vor allem die Erfindung des Buchdrucks habe den Horizont der Menschen erweitert. In der frühen Neuzeit begann damit die Hoch-Zeit der Netzwerke. Ferguson spannt den Bogen von den Freimaurern und Illuminaten bis zu Google, Facebook und Co. Sie alle verbreiteten revolutionäre Ideen und trugen zum Umsturz von Regierungen und Herrschaftssystemen bei.

 

Die Bedeutung von Netzwerken

Ferguson – eine Art Popstar seiner Zunft – beschreibt anhand des berühmten Piazza del Campo in Siena Hierarchien und Netzwerke als die beiden wichtigsten Formen menschlicher Organisation. „Man ist umgeben von einem öffentlichen Raum, der für jedwede Art mehr oder weniger informeller menschlicher Interaktion errichtet wurde; darüber erhebt sich ein imposanter Turm, gebaut um säkulare Macht zu symbolisieren und auszustrahlen.“ Der britische Historiker ist überzeugt davon, dass die Geschichtsschreibung zu viel Wert auf Hierarchien lege. In Wirklichkeit hätten soziale, finanzielle, kulturelle und andere Netzwerke nicht selten Imperien und Königreiche zu Fall gebracht.

 

Was haben Buchdruck und Internet gemein?

Besonders ausführlich geht Ferguson auf zwei Umbrüche ein: Wie erwähnt Gutenbergs Buchdruck, der der Reformation gegen die dominierenden Mächte zum Sieg verholfen habe. Und die Erfindung des Internets, das mit seiner horizontalen Architektur wohl die größte Herausforderung für die vertikalen politischen Hierarchien darstelle. Eine These, die nicht ganz überraschend kommt, die Skeptiker vermutlich dennoch nicht beruhigen wird …

 

Niall Ferguson | „Türme und Plätze – Die verborgene Geschichte der Netzwerke“
Propyläen-Verlag, 624 Seiten, 32,90 EUR

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