Weltkonzern mit Bodenhaftung

Alpla: Kunststoffverpackungen für das Who is who der Lebensmittel- und Kosmetikbranche

Wir haben in der April/Mai-Ausgabe des Bordmagazins der People’s Viennaline eine Reportage über den Weltkonzern Alpla geschrieben. Ein Unternehmen, mit dem jeder tagtäglich in Berührung kommt ohne es zu wissen …

Alwin Lehner legte ab den 50er-Jahren den Grundstein für die Alpla-Erfolgsgeschichte.
Alwin Lehner legte ab den 50er-Jahren den Grundstein für die Alpla-Erfolgsgeschichte.

Am Stammtisch im Gasthaus Käthr kann man von den alten Hardern viel über die Anfänge der Alpla erfahren. Dass Alwin und Helmuth Lehner in der Waschküche des Vaters ihre erste Produktionsstätte hatten, das gehört in dem kleinen Ort am österreichischen Bodenseeufer zum heimatkundlichen Grundwissen. Das Umfeld hat sich, um es mit der typischen Lehner’schen Zurückhaltung zu formulieren, bei einem Jahresumsatz von über 3 Milliarden Euro ein wenig geändert. Geblieben ist der Respekt vor den Leistungen der bodenständigen Vorarlberger. Und das nicht nur daheim, sondern auf der ganzen Welt: Die heute 19.300 Mitarbeiter sind auf 176 Niederlassungen in Europa, Nord- und Lateinamerika, Asien und Afrika verteilt. Sie stellen Kunststoffverpackungen für das Who is who der Lebensmittel-, Reinigungs- und Kosmetikindustrie her.

Wer wissen will, was Familienunternehmen in seiner reinsten Form bedeutet, der frage nach beim heute 85-jährigen Alwin Lehner. „Als wir 1955 eine günstige Spritzgussmaschine kaufen konnten, wurden alle eingespannt. Meine Eltern haben im Schichtbetrieb Tag und Nacht Kunststoffbecher hergestellt, meine Frau hat die Zollformalitäten erledigt und meine Schwester die Buchhaltung. Ich selbst hab das Werkzeug gebaut und mein Bruder war mit seinem Welthandel-Studium für das Kaufmännische verantwortlich.“

NACHHALTIGKEIT UND ROHSTOFFE AUS NACHWACHSENDEN RESSOURCEN SIND WICHTIGE GRUNDLAGEN FÜR DIE NÄCHSTEN GENERATIONEN.

Günther Lehner, CEO

Die große Chance

Der Sprung in die große Welt war für die „Alpenplastik Lehner Alwin GmbH“ – kurz Alpla – eng mit Deutschland verbunden. „Zuerst waren wir den Deutschen etwas suspekt. Wir waren unglaubwürdig billig und hatten keinerlei Beziehungen. Die große Chance kam, als Henkel einen kleinen, schnellen Hersteller brauchte und uns vertraut hat.“ So groß wie sie heute sind, wollten die Lehners nie werden. „Die Firmen haben uns reihenweise geholt und wir haben die Gelegenheiten beim Schopf gepackt.“

Neue Märkte zu gewinnen sei aber nie einfach gewesen. „In manchen Jahren haben wir mehr in neue Werke investiert als wir Cashflow hatten. Aber du kannst zum Kunden nicht sagen, wir sind erst im nächsten Jahr so weit. Dann macht ein anderer das Geschäft. So wurden wir zum Wachstum fast gezwungen.“ Managementbücher brauchte er für diese Erkenntnis nicht. „Zum Lesen hat mir immer die Zeit gefehlt“, kann er sich auch heute noch ein Augenzwinkern nicht verkneifen.

Technologischer Vorsprung durch Eigenentwicklung

In den fünfziger Jahren war die Verarbeitung von Kunststoff noch Neuland. Den Herausforderungen trotzte Lehner mit viel Bauchgefühl, noch mehr Fleiß und seiner Begeisterung für die Technik. Werkzeuge und Maschinen baute er bald in Eigenregie, etwa den legendären „Alplamat“. „Abends zeichneten wir in der Werkstatt die Konstruktionspläne, am Tag habe ich die Teile gefertigt“, erinnert er sich zurück. Vom damals entstandenden technologischen Vorsprung durch kreative Eigenentwicklungen zehrt Alpla bis heute.

Alpla auf einen Blick

ALPLA begleitet uns weltweit in Gestalt vielfältiger Kunststoffverpackungen (Verpackungssysteme, Flaschen, Verschlüsse & Spritzgussteile, Preforms, Tuben) für die unterschiedlichsten Inhalte – vom Duschgel über Motorenöl und Waschmittel bis hin zur Limonade.

Gründungsjahr: 1955

Hauptsitz: Hard/Vorarlberg

Mitarbeiter: 19.300

Produktionswerke: 176 in 45 Ländern

Umsatz 2017: 3,4 Milliarden Euro

Die neue Generation

Das Ruder hat Alwin Lehner 2006 an seinen Sohn Günther übergeben. Der bildet mit seinen Cousins Nicolas Lehner und Georg Früh heute die Konzernspitze. Und konnte auf einem mehr als soliden Erbe aufbauen. Dazu gehörte auch die Überzeugung, dass die Präsenz vor Ort ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. „Es macht wenig Sinn, leere Flaschen zu produzieren. Deshalb orientieren wir uns an den Niederlassungen der Kunden. Das reduziert Kosten und spart lange Transportwege“, sagt der 58-Jährige und verweist darauf, dass die Hälfte der Alpla-Werke quasi „in house“ beim Kunden stehen und unmittelbar an die Produktion und Abfüllanlagen angeschlossen sind – zum Beispiel bei Rauch in Vorarlberg oder Coca-Cola in Mexiko. Sie gehören ebenso zu den renommierten Alpla-Kunden wie Unilever, Procter & Gamble, L’Oréal, Pepsi, Migros oder Nestlé. „Jeder von uns hat täglich mindestens ein Alpla-Produkt in der Hand, meist ohne es zu wissen“, erzählt Günther Lehner. Eine durchaus taugliche Variante, den Begriff „Hidden Champion“ zu erklären.

JEDER VON UNS HAT TÄGLICH EIN ALPLA-PRODUKT IN DER HAND, MEIST OHNE ES ZU WISSEN.

Günther Lehner, CEO

Die Kundenstruktur ist es auch, die Alpla bei aller Größe einigermaßen resistent macht gegen Schwankungen der Wirtschaft. „Wenn Märkte in einer Krise stecken, spüren wir das natürlich auch. Die Einbrüche sind aber längst nicht so dramatisch wie bei anderen, weil man Dinge des täglichen Bedarfs einfach benötigt. Einen Saft trinkt man immer, ein Shampoo oder ein Putzmittel braucht man genauso.“

Alpla in Deutschland

Als erster Standort außerhalb Österreichs wurde 1964 das Werk in Markdorf eröffnet und ist somit einer der Grundsteine für den internationalen Erfolg. „Wenn wir uns in Deutschland durchsetzen, setzen wir uns auf der ganzen Welt durch“, beschreibt Günther Lehner den Pioniergedanken der damaligen Zeit. Das Know-how wurde und wird stetig ausgebaut und von Markdorf zunächst der gesamte deutsche Markt erobert. Am Standort Markdorf stehen seit jeher Technik und Entwicklung im Mittelpunkt. Alpla beschäftigt in Deutschland derzeit 1.600 Mitarbeiter an 15 Standorten.

63 Jahre ALPLA: Infografik zur Firmenhistorie (erschien in der April/Mai-Ausgabe des Bordmagazins der People's Viennaline)
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Die Zukunft ist nachhaltig

Intensiv beschäftigt sich Günther Lehner mit dem Thema Ressourcenknappheit. „Erdöl und Erdgas haben ein Ablaufdatum. Wir arbeiten deshalb auch mit Materialien, die auf nachwachsenden Stoffen basieren.“ 2015 begründete Alpla zusammen mit anderen Vorarlberger Unternehmen das „Klimaneutralitätsbündnis 2025“ mit dem Ziel, alle Aktivitäten komplett klimaneutral zu gestalten. Seit 2013 ist Alpla gemeinsam mit Avantium, Coca-Cola und Danone an einer Entwicklungsplattform für den bio-basierten Kunststoff PEF beteiligt. PEF wird aus pflanzlichen Rohmaterialien hergestellt und gilt als Kunststoff der nächsten Generation.

Ebenso sinnvoll sei die Wiederverwertung von Kunststoffen. Der Recyclinganteil bei einer PET-Flasche zum Beispiel liege bei 40 Prozent. Eigene Recycling-Werke, etwa mit Coca-Cola zusammen in Mexiko, helfen dabei, den Kreislauf nachhaltig zu gestalten. „Der Kunststoff kommt wieder zu uns zurück und wird weiterverwendet. Das ist der richtige Weg.“

EINE GROSSE FAMILIE

Ein Weg, auf dem die Lehners seit 63 Jahren von ihren Mitarbeitern getragen werden. Nur so könne man nahe beim Kunden bleiben. „Wir sind eine große Familie“, ist Günther Lehner stolz. „Alle sind per Du miteinander und es herrscht eine ungezwungene Atmosphäre, ohne die dieses Niveau nicht möglich wäre.“ Ganz in der Tradition der Gründer macht er wenig Aufheben um den Erfolg des Familienbetriebs. Und schon gar nicht um seinen eigenen Anteil daran. „Erfolg ist, wenn man gesetzte Ziele im Team umsetzen kann. Ich bin verantwortlich für die Einheit des Teams und dessen Funktionieren.“

Dieses hohe soziale Bewusstsein ist es auch, das uns an den Anfang der Geschichte zurückführt. Alpla hat vor einiger Zeit das in die Jahre gekommene Dorfgasthaus Käthr (für Nicht-Alemannen: Katharina – in dem Fall die frühere Eigentümerin des Hauses) gekauft, von Grund auf mit viel Liebe renoviert und so den Hardern (und nicht nur ihnen) ihren dörflichen Treffpunkt zurückgegeben.

Bodenhaftung kann nur der haben, der seine Wurzeln nie vergisst.

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