Skyspace – ein Auszug aus dem ZeitRaum Magazin

Im aktuellen ZeitRaum Magazin, das wir jährlich für Lech Zürs Tourismus erstellen, berichten wir unter anderem über das Kunstprojekt „Skyspace“ von einem der bedeutendsten Künstler der Gegenwart: James Turrell. Wir möchten Ihnen heute gerne die Geschichte auf unserem Blog vorstellen. Wenn Sie Lust haben können Sie auch mehr zu dem ZeitRaum Magazin, Ausgabe 2017/2018 erfahren.

 

Der Himmel ist die Grenze

Große Worte braucht es am Arlberg in der Regel nicht. Man lässt lieber Taten sprechen. So oder so: Dass ein Superstar der Kunst wie James Turrell in Lech ein Projekt realisiert, darf getrost als Sensation bezeichnet werden.

Das Horizon Field ließ bei den Lechern offenbar den Wunsch nach mehr Kunst im öffentlichen Raum wachsen. Zur Erinnerung: Die Installation von Antony Gormley bestand zwischen 2010 und 2012 aus einhundert mannshohen Eisenmännern, die auf einer horizontalen Ebene jeweils in 2.039 Metern Höhe im Lechquellengebirge platziert wurden. Es war das erste solche Vorhaben in den Alpen und die größte künstlerische Landschafts-Intervention in Österreich bis heute. Die Arbeit umfasste ein Gebiet von 150 Quadratkilometern über die Gemeinden Mellau, Schoppernau, Schröcken, Warth, Mittelberg, Lech, Klösterle und Dalaas.

Privatinitiative

In Zusammenarbeit mit der Galerie Häusler Contemporary ist es dem privaten Verein Horizon Field jetzt gelungen, James Turrell für ein Skyspace-Projekt in Lech zu gewinnen. Bei seinem Besuch in Lech im September 2014 war Turrell von der einzigartigen Hochgebirgslandschaft fasziniert und hat den Standort „Tannegg“ in Oberlech für einen sehr speziell angelegten Skyspace ausgewählt. Das „Tannegg“ ist ein kleiner Hügel oberhalb der Bergstation der Schlosskopfbahn, an dem sowohl im Sommer als auch im Winter ein Wanderweg vorbeiführt und der auch von der Skiabfahrt nach Oberlech leicht erreichbar ist. Der Standort liegt außerhalb des besiedelten Ortsgebietes auf einer Höhe von 1.780 Metern und bietet ein einzigartiges Panorama.

James Turrell hat im November 2014 den speziell auf den Standort Tannegg zugeschnittenen Skyspace-Lech konzipiert und detaillierte Entwurfsskizzen erstellt. Diese zeigen ein weitgehend unterirdisch angelegtes Bauwerk, das sich sensibel in die Landschaft einfügt. Der ovale Lichtraum (9 x 6 Meter, Höhe 5,2 Meter) hat eine ebenfalls ovale Öffnung in der Decke (3,5 x 2,6 Meter) und eine umlaufende Sitzbank. Die Lichtinstallation, die mit Einbruch der Dämmerung Wände und Decke in farblich wechselndes Licht taucht, scheint die zuvor noch klar wahrgenommene Raumstruktur aufzulösen. Der Zugang erfolgt über einen 15 Meter langen Tunnel, der nach Nordosten gerichtet ist und somit die Blickachse über Bürstegg bis zum markanten Gipfel des Biberkopf bietet.

Im Februar 2015 wurden die Skizzen von James Turrell vom Architektenbüro Baumschlager-Eberle in einen architektonischen Entwurf umgesetzt. Mit Errichtung und Eröffnung des Skyspace-Lech verschmelzen am Tannegg Himmel, Licht, Zeit und Raum zu einer sinnlichen Grenzerfahrung. In einer Zeit der schnellen und oberflächlich konsumierten Bilder führt der Skyspace den Betrachter zur meditativen Konzentration des Sehens und zur Vertiefung des Erlebens.

 

Interessante Fakten zum Skyspace in Lech

Künstlerisches Konzept

Der Skyspace-Lech ist ein Lichtraum am Berg, der den Besuchern als begehbares Kunstwerk künstlerische Wahrnehmungserlebnisse vermittelt. Das Projekt wird von Fachleuten als einzigartige kulturelle Bereicherung für Lech gesehen.

Der Skyspace-Lech wird in vielerlei Hinsicht einmalig innerhalb der Werkserie des Künstlers sein. Die hochalpine, exponierte Lage war für James Turrell von besonderem Reiz. Die außergewöhnliche Lage hat auch dazu geführt, dass der Künstler eine spezielle, bewegliche Kuppel vorgesehen hat. Diese ermöglicht einerseits das künstlerische Konzept „Skyspace“ mit der Öffnung zum Himmel. Andererseits lässt sie aber auch, in geschlossenem Zustand, die Nutzung als „Ganzfeldraum“ zu.

Somit ist der Skyspace-Lech einer der wenigen Lichträume dieser Werkserie, in dem zwei sehr wichtige künstlerische Ideen von James Turrell umgesetzt werden.

James Turrell

Der Amerikaner zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Er wurde vor allem durch seine Arbeit „Roden Crater“ und seine Lichträume bekannt. Turrells beeindruckendes Lebenswerk beschäftigt sich immer wieder mit der Wahrnehmung von Licht. Seine Installationen sind sanfte Kompositionen, in denen er Form und Atmosphäre in den Vordergrund rückt. In Vorarlberg ließ er 1997 die Glasfassade des Kunsthaus Bregenz mit einer faszinierenden Lichtinstallation erstrahlen. Zu seinem 70. Geburtstag 2013 zeigten das Guggenheim Museum in New York, das LACMA in Los Angeles und das Museum of Fine Arts in Houston Retrospektiven mit enormem Zuspruch.

„My desire is to set up a situation to which I take you an let you see. It becomes your experience.“ – James Turrell

2018 Turrell-Retrospektive in Basel

James Turrell wird 2018 in der Beyeler Foundation bei Basel Thema einer großen Retrospektive sein. In einer der renommiertesten Kunsthallen der Welt wird sein Lebenswerk einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Der Umstand, dass nach der Eröffnung des Skyspace-Lech dem Künstler eine so große Schau gewidmet wird, wird auch für den Skyspace-Lech zusätzliches internationales Interesse schaffen.

„A piece of heaven“

Ein Viertel des Projektbudgets wird durch den Verkauf von 250 Bausteinen zum Preis von je 1.000 Euro aufgebracht. Diese werden, mit Namensgravuren versehen, an der Außenfassade des Gebäudes vermauert.

Vereinsobmann Otto Huber betont, dass das große Interesse an den Bausteinen auch eine starke Motivation für den Kunstverein Horizon Field sei. „Es hat uns gezeigt, wie viele Menschen eine starke Beziehung zu dieser Kunst, aber auch zum Ort Lech haben. Gäste aus aller Welt bringen sich mit großer Begeisterung ein und ermutigen uns, das Projekt weiter zu verfolgen.“

Das Kunstprojekt "Skyspace" von James Turrell von innen: ''The color inside'' University of Texas, Austin, 2012 (c) James Turrell, Foto: Holzherr

Das Kunstprojekt „Skyspace“ von James Turrell von innen (“The color inside“ University of Texas, Austin, 2012 (c) James Turrell, Foto: Holzherr)

Mehr zum Projekt von James Turrell: www.skyspace-lech.com

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