Musik(-Marketing) benötigt keine Übersetzung

Kein Medium vermag mehr über die aktuelle Stimmung des Konsumenten auszusagen, als die Musik, die er gerade hört. Durchaus nahe liegend, schließlich ist es gleichzeitig auch keinem anderen Medium vorbehalten, besser Emotionen zu transportieren. Da ist es nur logisch, dass nicht zuletzt auch die Unternehmenskommunikation sich dieses Mediums bedient, um ihre Botschaften „unters Volk zu bringen“. Insbesondere auch neue Möglichkeiten, zielgruppengerecht Inhalte im jeweiligen musikalischen, sprich emotionalen Umfeld zu platzieren, machen Musik als Trägermedium für Kommunikationsbotschaften noch interessanter.

Ein Fehler, der bei unzähligen Kampagnenproduktionen immer wieder gemacht wird: Am Ende bleibt meist nicht viel Zeit für die Musik. Doch das Markenerlebnis bei einer Kampagne wird durch die Musik erst richtig zum Leben erweckt. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die letztjährige Weihnachtskampagne „Heimkommen“ von Edeka, die ohne den Song „Dad“ von Neele Ternes im zugehörigen Werbespot niemals den Weg ins Herz so zahlreicher Menschen gefunden hätte. Die Werbeindustrie hat diese kolossale Bedeutung folgerichtig erstmals dieses Jahr in Cannes bei der Vergabe der Löwen mit einem eigenen Award gewürdigt, bei der „Heimkommen“ prompt mit dem Löwen in der Kategorie „Entertainment Lions for Music“ ausgezeichnet wurde.

Neben „Heimkommen“ gibt es unzählige weitere Beispiele für die enorme Bedeutung von Musik in der Kommunikation. Sie alle zeigen: Musik sollte von Anfang an Teil der Kampagnenplanung sein!

Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Werbungtreibende – allen voran große Konsumgüterunternehmen – mehr denn je darauf setzen, Musik in ihre Kampagnen zu integrieren. Allen voran beispielsweise Unilever, das sogar ein eigenes Musik-Startup unterstützt. Die Begründung hierfür hat unlängst Babs Rangaiah, Vice President of Global Media Innovations and Ventures von Unilever geliefert: „Musik ist Content. Musik ist sogar dessen stärkste Form, weil sie in die Gefühlswelt der Menschen eindringt.“

Marken gehen seit geraumer Zeit in der Nutzung von Musik noch einen Schritt weiter, indem sie eigene unverkennbare Soundlogos zur Unterstützung der Markenkommunikation komponieren. So kennt wohl nahezu jeder Nutzer den Sound von Intel, T-Mobile, Lufthansa, Nokia, McDonald’s oder Peugeot.

Doch wie hat eine Marke eigentlich zu klingen? Die Antwort findet sich (wie in allen Fragen der Kommunikation) in der Marken-DNA: Die Markenwerte sagen viel über ein Lebensgefühl aus, das eine Marke verkörpert. Soll heißen, dass die Corporate Identity verrät, ob ein Unternehmen eher beschwingt, melancholisch, aggressiv oder sentimental klingt. Es gilt folglich den Spirit einer Marke zu verstehen. Ganz wichtig dabei: Besser keine Musik als die falsche Musik.

Einen mutigen aber umso interessanteren Ansatz, mit Musik als Zentrum einer Kampagne, hat jüngst die Berliner Morgenpost gewählt. Die eigens kreierte Hymne für die Stadt „Das ist Berlin“ setzt Berlin und seine Bewohner mit passendem Bildmaterial in Szene und rückt das Produkt – die Zeitung – gekonnt in den Hintergrund. Content Marketing pur!

Insbesondere zur Erreichung der jungen, hippen Berliner Zielgruppe, die Werbung tendenziell uninteressiert oder gar kritisch gegenübersteht, ein gelungener Schachzug. Nichts scheint hier besser zu passen als ein Party-Soundtrack.

 

Spotify und die Platzierung von Botschaften im musikalischen Umfeld

Für Marken, die unabhängig vom eigenen Sound ihre Botschaften im passenden musikalischen Umfeld platzieren möchten, bietet Spotify neuerdings die Möglichkeit, Werbebotschaften passend zur Playlist des Konsumenten zu servieren.

Werbungtreibende können damit ihre Zielgruppe nach Stimmung buchen. Entsprechend der gehörten Kategorie bekommt der Nutzer entsprechende Video-Ads eingeblendet. Beispielsweise den Bacardi-Clip im Kontext von Partymusik. So fragwürdig das für den ein oder anderen klingen mag, die Relevanz derartiger Formate nimmt rapide zu.

 

Die aufgezeigten Varianten zur Nutzung von Musik im Bereich der Unternehmenskommunikation zeigen einerseits die wachsenden Möglichkeiten dieses Mediums und andererseits die enorm gestiegene Relevanz des Themas. Das Spannende dabei: Musik selbst ist Content und hilft gleichzeitig Content zielgenau zu transportieren.

 

Headergrafik: fotolia, Nejron Photo

Recent Posts

Leave a Comment