Jede Zeit hat ihre Wörter

Sprache spiegelt das Leben, Wörter den Geist der Zeit – was ja auch Marken nicht gut ignorieren können. Und so geht es auf den Spuren der neuesten sprachlichen Entwicklung mit der App zum Downshiften von der Ich-AG zum Dosenpfand. Wenn dieser Satz in Ihren Ohren noch etwas weh tut: Die Zeit heilt alle Wunden und wir werden uns daran gewöhnen. So wie andere Wörter auch einmal seltsam wirkten und mittlerweile längst in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind.

Ein Blick auf vergangene Wörter des Jahres:

  • 1950er Jahre: Antibiotikum, Kaugummi, Fotokopie, Bundesrepublik, Motorroller, Achterbahn, Petticoat, Modenschau
  • 1960er Jahre: Raumfahrt, Hitparade, Jo-Jo, Bundeswehr, Farbfernsehen, Pilzkopf, Gastarbeiter, Bluejeans
  • 1970er Jahre: Flowerpower, Umweltschutz, Selbstverwirklichung, Trimm-dich-Pfad, Fosburyflop, Generationskonflikt, Flugreise
  • 1980er Jahre: Telefax, Friedensbewegung, cool!, Telespiel, Rap, Chaot, Videoclip
  • 1990er Jahre: Compact Disc, Laola, Inliner, Döner Kebab, Cyberspace, Handy, geil, Wessi/Ossi
  • 2000er Jahre: 11. September, Teuro, Chai Latte, Dosenpfand, Ego-Googeln, Ich-AG, Fanmeile, Abwrackprämie, App, Wutbürger, Yes, we can
Die Wörter des Jahres 2015

Die Wörter des Jahres 2015

Wir lernen: Jede Zeit hat ihren Sprachstil. Jede Zeit hat ihre Wörter. Und manche werden sogar zu Wörtern, die weit über ihre Zeit hinausgehen.

Die Wörter des Jahres seit 1971 hier im Überblick.

Wörter, die die Welt veränderten

Oft bleibt von großen Leben ein Satz: Gorbatschows Warnung an Honecker „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ ist ebenso unvergesslich wie John F. Kennedys Bekenntnis „Ich bin ein Berliner“. Der jetzige amerikanische Präsident Barack Obama verdankt seinen beispiellosen Erfolg vor allem drei Worten: „Yes, we can!“. Er hat damit die Stimmungslage einer Generation und den Nerv der Zeit getroffen. Der zuvor weithin unbekannte Senator katapultierte sich mit einer Rede auf dem Parteitag seiner demokratischen Partei in Boston ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit.

Etwas ausholen dürfen wir bei einem weiteren amerikanischen Staatsoberhaupt. Ronald Reagans Aufforderung „Mister Gorbatchov, open this gate. Mister Gorbatchov, tear down this wall.“ („Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“) ist das, was man als politischen Lottosechser bezeichnen könnte. Fast jeder sehnt sich danach, mit einer Formulierung wenigstens einmal die Welt ein Stück zu verändern. Reagan ist das 1987 vor dem verrammelten Brandenburger Tor gelungen.

Es waren nur elf Wörter. Aber sie waren der entscheidende Teil der wichtigsten Rede seiner Amtszeit. Zweieinhalb Jahre später war die Mauer tatsächlich gefallen.

Entgegen all der Bedenken seiner Berater hatte Reagan die beiden historischen Sätze gesprochen. Begeisterung erntete er zunächst nur bei den etwa 40.000 Zuhörern auf der weiträumig abgesperrten Straße des 17. Juni. Ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes in Bonn dagegen lästerte: „Da waren Amateure am Werk.“ Und selbst in Helmut Kohls Bundeskanzleramt setzte man „keine großen Erwartungen“ in Reagans Vorschläge.

Aber offenbar hatten Reagan und seine Redenschreiber genauer als ihre deutschen Kollegen gespürt, was in der DDR zu wachsen begann. Die Opposition im zweiten deutschen Staat wuchs, das SED-Regime kam ebenso ins Wanken wie die anderen Diktaturen im sowjetischen Machtbereich. Im Rückblick ist klar, dass Ronald Reagans Rede viel zu dieser friedlichen Revolution beigetragen hat.

Sie sehen: Es zahlt sich aus, sprachlich den Ton Ihrer Zielgruppe zu treffen. Und auch wenn es manchmal etwas dauert: Konsequenz führt auch hier schlussendlich zum Erfolg. Geben Sie auch Ihrer Marke diese Chance. Es rentiert sich.

Darauf geben wir Ihnen unser Wort.

Zahlenspiele
Zahlenspiele

Derzeit kennen wir weltweit 6.000 bis 7.000 Sprachen. Die Hälfte könnte übrigens Ende dieses Jahrhunderts ausgestorben sein.

Es gibt ca. 300.000 Wörter im Deutschen. Sie sind durch Wortkombinationen fast beliebig erweiterbar – der Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänswitwenfonds ist ein Beispiel von unendlich vielen.

140.000 dieser Wörter haben Einzug in den Duden gehalten. Der aktive Wortschatz eines deutschen Durchschnittssprechers wird auf 12.000 bis 16.000 Wörter (davon etwa 3.500 Fremdwörter) geschätzt. Ohne Schwierigkeiten verstanden werden mindestens 50.000 Wörter.

Die größten Dichter haben in ihren Werken 20.000 Wörter verwendet, zum Lesen der meisten Zeitungen genügt ein Wortschatz von 3.000.

Eine Auszählung von rund 11 Millionen Wörtern ergab, dass nur 207 Wortformen nach ihrer Häufigkeit über 50 Prozent der deutschen Schriftsprache ausmachen.

Bei einem Satz mit sagen wir 29 Wörtern (zugegeben: ein sehr langer Satz) gibt es ca. 8 Milliarden Trilliarden Möglichkeiten, diese Wörter zu kombinieren. Und damit ziemlich viele Möglichkeiten, was falsch zu machen. Aber ebenso viele Chancen, die Magie der Sprache zum Leben zu erwecken.

Wussten Sie, dass es 279 Wörter brauchte, bis die Zehn Gebote so standen, wie sie sich über die Jahrhunderte erhalten haben. Die Unabhängigkeitserklärung der 13
nordamerikanischen Staaten kam 1.776 mit 300 Wörtern aus. Die EU-Verordnung über den Import von Karamel-Bonbons hat hingegen 25.911 Wörter. Ein Maß unseres Fortschritts???

In der EU sprechen 110 Millionen Menschen deutsch. Damit sind wir die größte Sprachgemeinschaft in der EU.

Bild ‚Die Wörter des Jahres 2015‘: GfdS
Bild ‚Gorbatschow und Honecker‘: Kurier
Bild ‚John F. Kennedy‘: Photo courtesy DPA archive
Bild ‚ Barack Obama‘: Cicero
Bild ‚Ronald Reagan‘: Bundesregierung/Lehnartz

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